Automobilistische Rundschau, Sept 1909



Grüning auf Adler 1909
Grüning auf Adler 1909
Die automobilistische Herbstsaison sollte in Deutschland ursprünglich mit der großen Internationalen Zuverlässigkeitsprüfung für kleine Wagen eingeleitet werden. Die vom Kaiserlichen Automobilklub gemeinsam mir der Deutschen Motorradvereinigung ausgeschriebene Fahrt mußte indes auf Wunsch der Behörden mit Rücksicht auf die späte Ernte dieses Jahres auf Ende September verschoben werden. Das Interesse an der von Berlin nach Straßburg führenden Voiturettenprüfung wird aber dank der hervorragenden Beteiligung kaum eine Einbuße durch die Verschiebung erleiden. Da auch im Auslande zu derselben Zeit keine größeren Rennen stattfinden, wird die deutsche Konkurrenz vielmehr den Kulminationspunkt der Herbstsaison bilden.
Brennabor 1916
Brennabor- Gewinner der Eisenacher Touren- und Bergfahrt
Inzwischen haben einige andere kleinere Meetings die Aufmerksamkeit der automolistischen Welt gefesselt. Zunächst fand die vom Mitteldeutschen Automobilklub mit großem Eifer in Szene gesetzte Internationale Eisenacher Touren- und Bergfahrt eine lebhafte Beteiligung. Das Ergebnis der Tourenfahrt ist insofern besonders bemerkenswert, als einer der kleinsten Wagen die beste Leistung erzielte. Der Weit- und Meistpreis konnte konnte Herrn E. Reichstein, der mit einem nur 7 PS starken Brennabor-Wagen 2480,3km zurücklegte, zugesprochen werden. Im übrigen zeichneten sich die Marken Piccolo, M.A.F, Dux, Türicum, Onyx und Hansa aus. Bei dem Bergrennen fiel der erste Preis, vom Großherzog Ernst von Sachsen gestiftet, an Kittsteiner, der seinen Opel-Wagen in 3Min 49,4 Sek. Über die schwierige, 5 km lange Strecke steuerte. An Dixi, Loreley und Onyx fielen weitere Preise.

Sportlich interessante Ergebnisse zeitigten die Kilometerrennen, die der Frankfurter Automobilklub anläßlich seines zehnjährigen Bestehens abhielt. Hervorragend waren dort vor allem die Leistungen von Fritz Erle, der in drei verschiedenen Klassen auf Benz-Wagen die besten Zeiten fuhr und mit 152,5k die absolut beste Stundengeschwindigkeit erzielte. Bemerkenswerte Erfolge erzielten auch die Adler-Werke, welche Marke ebenfalls in drei Konkurrenzen siegreich blieb. In der Klasse der Prinz-Heinrich-Wagen wurde Hr. Fr.Wandesleben auf Adler Sieger mit 621/100 Gutpunkten und mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 101,7km. Der vom Kaiserlichen Automobilklub gestiftete Ehrenpreis wurde ihm zuteil.

In der Klasse der Wagen bis 11 PS fuhr Hr. Ing. Erich Grüning auf Adler mit 112,5km Durchschnittsgeschwindigkeit ein schönes Rennen und wurde Sieger in seiner Klasse, damit den von der „ILA“ ausgestzten Preis gewinnend. Auch in der Klasse der Wagen bis 16 PS war Adler erfolgreich, denn Hr. Hugo Wilhelm, der mit seinem Adler in einer Stundengeschwindigkeit von 120,8km die Strecke passierte, gewann hier den zweiten Preis. Zwischen ihm und dem ersten waren nur 4/10 Sekunden Differenz. Weiter zeichneten sich noch die Fabrikate der Firmen Opel, Puch und Neckarsulm aus.

Benz 1918
Benz: Gewinner der Automobilfernfahrt 1909
Mit diesen schönen Erfolgen, die teilweise gegen eine recht gute ausländische Konkurrenz erzielt wurden, ließ es die deutsche Industrie aber nicht bewenden. Mehrere Firmen unternahmen Expiditionen ins Ausland, von wo sie teilweise mit reichen Preisen heimkehrten. Besonders erfolgreich war die deutsche Beteiligung an der Automobilfernfahrt St.Petersburg- Riga- St.Petersburg, bei der für die Sieger ein reicher Gabentisch hergerichtet war. Die Hauptpreise fielen an die deutschen Wagen von Benz, Mercedes und Adler.
Sonst gab es noch in Frankreich kleinere Meetings, von denen das der Provence mit einem Rennen über 1 und 5 km um den Rothschild-Pokal einen bemerkenswerten Erfolg hatte, der erkennnen läßt, daß auch in Frankreich die Rennmüdigkeit langsam im Schwinden begriffen ist. Der Brasier-Fahrer Bablot, der mit seinem vorjährigen 120PS Grandprix-Wagen in Wettbewerb trat, siegte über beide Strecken, indem er das Kilometer in 21,2 Sek. Und 5 km in 1Min45Sek fuhr, d.h. Mit einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von mehr als 170km. Der wertvolle Rothschild-Pokal, der in den beiden Vorjahren ebenfalls von Bablot gewonnen worden war, ging nunmehr endgültig in den Besitz der Firma Brasier über.
 
Das erste offizielle Automobilrennen der Welt fand übrigens 1886 zwischen Paris und Rouen statt.






Kommentare:

  1. Netter Beleg, kleiner Lapsus, der Name des Adlerfahrers ist F. Wandesleben.

    mfg Frank der ADLERMing

    AntwortenLöschen

Mit dem Abschicken eines Kommentars akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.