Bericht vom Salzburger Musikfest, 1906


Den zahlreichen Festen, womit die Kulturwelt den hundertfünfzigsten Geburtstag Mozarts gefeiert hat, wurde mit dem diesjährigen Salzburger Musikfeste der würdigste Abschluß bereitet. Es waren herrliche Tage, die vom 14. bis 20. August eine auserlesene Anzahl Künstler und eine tausendköpfige Schar von Musikfreunden, beide international im schönsten Wortsinne, an den Ufern der Salzach vereinigten. Die Darbietungen selbst waren fast ausnahmslos der hohen Gelegenheit würdig.
Unter den Mitwirkenden muß in erster Reihe Fr. Lili Lehmann*  genannt werden, deren geistvoller Energie die Aufführung des "Don Giovanni" zu danken ist, in der sie selbst als Donna Anna, Andrade als Don Giovanni und Hofopernsänger Maikl als Don Ottavio aufs rühmlichste hervorragten. Dem Dramatiker Mozart huldigte auch die Wiener Hofoper mit zwei Aufführungen von "Figaro´s Hochzeit", die in dem intimen Raume ganz besonders reizvoll herauskamen.
Von den Konzertaufführungen, die von Felix Mottl und Richard Strauß geleitet wurden, ist die Mitwirkung Kamillo Saint-Saën´s, des berühmten Pariser Organisten und des vortrefflichen Quartetts Fitzner zu verzeichnen. Die höchsten Triumphe erntete aber das Wiener Philharmonische Orchester, diese unvergleichliche Vereinigung allererster Künstler. Ein ganz besonderes Ruhmesblatt erwarb sich Herr Konzertmeister Stwertka, dessen Geige in allen Veranstaltungen die Führung hatte, da seine Kollegen Rosé und Prill an der Huldigungsfeier nicht teilnahmen.

Eine höchst erfreuliche Überraschung bereitete das vierte und letzte Konzert, das, dem Kirchenkomponisten Mozart gewidmet, von Salzburger Musikfreunden aufgeführt wurde. Diese Aufführung, unter der Leitung des Mozarteum-Direktors Hummel zeigte, daß die Salzburger Gesellschaft erfolgreich bestrebt ist, sich des Genius loci würdig zu zeigen; ihre Leistungen dürften sich kühn an die der großen Städte stellen, die sie im Bezug auf eifriges Studium vielleicht noch übertreffen. Der rauschende Beifall eines internationalen Publikums ward dem dirigierenden Meister und seiner kunstbegeisterten Schar als wohlverdienter Lohn zuteil.

*Anmerkung:  "Während des Ersten Weltkriegs werden die Aktivitäten der Internationalen Stiftung Mozarteum lahmgelegt, trotzdem kann 1917 vor allem dank der Bemühungen der großen Förderin Kammersängerin Lilli Lehmann Mozarts Geburtshaus vollständig erworben werden."
Quelle:  Geschichte der Stiftung Mozarteum

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