Brautmode 1891


Der wunderschöne Monat Mai, das ens-tout-cas-Kind des Jahres, in dem geliebt, gelacht, gescherzt, getanzt, gespielt, geritten, gerudert und gereist wird. Pardon, meine Damen, ein wichtiges "ge" hätte ich beinahe vergessen! Geheiratet wird ja auch!
Und da wir mit einer Brauttoilette vor Sie hintreten, wird´s ja wohl so sein und ich beeile mich, Ihnen aus der großen Welt der Mode den diesbezüglichen Text zu zitieren.

In erster Linie bleiben weiße Toiletten kategorisch. Wir sind gar nicht abergläubisch, aber wenn der Volksmund seinen Spruch, farbige Brautkleider brächten Unglück, gelegentlich wiederholt, so dürfte ein kleiner Einfluß nicht ausgeschlossen sein, und wir bekennen uns gerne zu weißem Gewande. Braucht es doch nicht immer von starrer Seide zu sein. Feiner Wollmusselin, Kaschmir, Crêpe, Popeline sind ebenso geeignet wie Bengaline, Sicilienne, Satin duchesse, Atlas, Plüsch oder Damassestoffe, als besonders gefällig und chic gilt Crêpe de Chine, zur Brauttoilette.
Brautkleid aus Crêpe de Chine und Spitze

Der Mode gemäß wird anderer Stoff als Garnitur gewählt; zu glattem Wollstoff häufig
damassierter Seidenstoff, zu Kleidern aus Satin: Plüsch, Sammet oder Brokatstoff; zu Crêpe de Chine: Spitzenstoff und Seidenstickerei. Auch Federnbesatz aus weißen Straußenfedern, Schwanbordüren, Passementerien, Plissés und dicke Rüschen aus Illusionstüll finden vielfach Verwendung. Perlenstickereien, so modern sie auch sein mögen, vermeidet man möglichst - heißt es doch hier wiederum: Perlen an der Braut, ihr Aug´ aus Tränen schaut.

Die Brautschleier sollen sehr lang, sehr breit sein, um recht faltig gesteckt werden zu können. Glatter, guter Seidentüll ist das geeignetste Material dafür. Spitzenschleier werden fast nur von Damen, die eine zweite Ehe eingehen, angelegt. In diesem Falle wird die jungfräuliche Myrthe durch Orangenzweige und Blüten oder andere feine weiße Blüten und zartes Laub ersetzt. Die modernen Myrthenkränze sind klein, ganz rund und ziemlich flach. Der darüberliegende Schleier wird, wenn er quadratisch mit unten abgerundeten Ecken ist, der oberen Breitseite entlang etwa 8 bis 10 Cent. vom Außenrande entfernt in dichte Falten, eine Art Rosette bildend, zusammengefaßt und auf der Mitte des Kopfes zusammengesteckt.
Ist der Schleier shawlartig geformt ( seine Länge muß dann 3,50 - 4,00 Meter, seine Breite 1,50 Meter betragen), so wird er zur halben Länge zusammengelegt, in der Mitte fest zusammengefaßt und daselbst mit einer zierlich geformten Spange oder einem kleinen Bügel aus Myrthen auf dem Scheitel befestigt.

Neuerdings ist es beliebt, auch auf der Robe reiche Myrthengarnitur anzubringen. In die Puffen der Ärmel schiebt man kleine Zweige; kleine Gewinde decken den schrägen Taillenschluß oder begrenzen Tablierteile, selbst kollierähnlicher Schmuck um den Hals ist nicht ausgeschlossen.

Zur standesamtlichen Trauung wird keine bräutliche Toilette angelegt. In der Regel dient dazu ein schwarzes Seidenkleid, ein hübscher dunkler Umhang, ein modernes Capotehütchen und helle Handschuhe.

So, damit hätte ich mich wohl meiner Pflicht, bezüglich der Brauttoiletten entledigt und ich könnte höchstens noch hinzufügen, daß Reisekleider aus feinem grauem, gemustertem Mohair apart und vornehm sind und mit der Jahreszeit durchaus harminieren.
Veronica von G.

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