Das Einimpfen der Kuhblattern, 1891

Die Aufsehen erregende Erfindung Dr. Koch´s lenkt die Aufmerksamkeit auf das vorbildliche Verfahren, das Einimpfen von Kuhblattern als Mittel gegen die Pockenkrankheit.
Robert Koch
Robert Koch
Das Übertragen von Menschenblattern von einem Individuum auf das andere ist im Oriente eine uralte Kunst, in Europa führte es erst Lady Montague 1718 ein. Doch kam man allmählich wieder davon ab, weil ansteckende Krankheiten dadurch von Einem zum anderen mit Leichtigkeit verbreitet wurden. Der englische Arzt Jenner machte die Entdeckung des Vorzugs der Kuhlymphe im Jahre 1775 und impfte mit derselben zum ersten Male am 14. Mai 1796.

Doch schon lange vor ihm sind - holsteinische Bauern auf denselben Gedanken gekommen. Sie hatten die Beobachtung gemacht, daß Mägde, die beim Melken von den Kuhpocken angesteckt wurden, wenn sie zufällig eine leichte Verletzung an den Fingern hatten, nach einem gelinden Fieber die Blattern nur in geringem Maße bekamen, und dann gegen die Ansteckung von Menschenblattern gesichert waren.

Es existierten im Holsteinischen einzelne Familien, in denen schon einige Generationen hindurch, seit 1796, diese Sicherung sich wiederholt hatte. Ja, ein Lehrer in der Probstei, namens Plett, impfte mit Absicht einigen Personen die Pocken der Kühe ein.
Diese Tatsache war dem Kieler Leibarzte Weber bekannt geworden, aber er verfolgte die Erfindung nicht weiter. D.

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Mit dem Abschicken eines Kommentars akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.