Kommentar zur Salzburger Kunstausstellung von 1906

Heinrich Knirr

Man darf von Ausstellungen in Provinzstädten natürlich nicht erwarten, daß sie ein Bild des allerneuesten Entwicklungstadiums der Kunst darbieten, sondern wird es zu würdigen wissen, wenn man darin gute Malerei oder Plastik überhaupt findet, ob nun älterer oder neuerer Richtung.
Einen Vorzug hat eine Ausstellung in einer Stadt wie Salzburg immer: sie ist nicht überfüllt; man kann infolgedessen leichter zu einem innerlichen Kunstgenuß kommen als in einer großen internationalen Ausstellung; zudem sind die sieben Kabinette bei aller Einfachheit recht geschmackvoll ausgestattet.

Die meiste Beachtung beansprucht diesmal Heinrich Knirrs Damenbildnis. Portrait will es keines sein, ja die koloristische Konsequenz, die durch den Zusammenklang von Lila und Grün dem Antlitz der Dame etwas Starres, Wächsernes verleiht, scheint uns von der Betrachtung der Gesichtszüge von vornherein ablenken zu wollen, damit wir uns ganz versenken in die wundervolle Farbensymphonie von Kleid, Sofa, Wand und Bildrahmen ( im Bilde) und in die unübertreffliche stoffliche Charakterisierung der knisternden Seidenrobe und der weichen, zarttönigen Möbel.

Leider war es mir nicht mögich dieses so trefflich beschriebene Gemälde zu finden - es wird wohl in den Wirren der Zeit verloren gegeangen sein oder noch in einem unentdeckten Dachboden verwahrt sein. 

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