24. Dezember




o, nun wären die Wunschzettel geschrieben. Der Knabe wünscht sich einen Zeppelin, ein Gewehr, einen Helm, ein Lasso; das Mädchen eine Puppe, ein Himmelbett, eine Puppenküche und alles andere, was die lieben Eltern schenken wollen. Oft schreiben die Kinder auf den Wunschzettel viles, damit nur der Zettel recht lang wird. Wenn die Mutter dann nach einiger Zeit mit dem Kind ruhig über die Wünsche spricht, ist sie erstaunt, wie wenig wirkliche Wünsche übrig bleiben.

Nun ist der heilige Abend da. In hellem Glanz erstrahlt weit und breit die Weihnachtstanne. Die Augen ruhen auf den Lichtern, auf dem Gold- und Silberschmuck und oftmals auch auf den schön geformten und gefärbten Tiroler Äpfeln.
Manchem erzählen diese von den Bergen. Wie mag es jetzt dort aussehen! Da liegt fußhoch der Schnee auf Feldern und Wiesen. Geschäftig aber geht es in den Hütten und Häusern zu, wo das Heiligabendesseen stattfindet. Mit Verlangen richten sich die Augen auf den teils mit Mohn, teils mit Brei aus grünen Blättern oder mit süßem Kastanienmus, Pistazienstampfe oder anderen guten Dingen gefüllten Krapfen.

Schickt sich der Tag zum Scheiden, dann ruft der Hausherr: "Macht euch zum Räuchern geschickt!" Der Bauer nimmt die mit Weihrauch und Dreißigenkräutern gefüllte Glutpfanne, die Frau hängt den Weihwasserkessel und den Sprengel, Kinder und Dienstboten schließen sich paarweise an. Unter lautem Beten geht es durch Haus, Hof und darauf durch alle Kammern, den Keller, den Stall und die Scheune. Die Pfanne wird geschwungen, "Weinhorn" ausgesprengt und gebetet, daß Glück ins Haus komme und das Unglück hinausgehe.
Darauf wird das Vesperbrot, die "Marend" eingenommen: Milch, Wein, Obst und Brot. Der Bauer reicht jedem Stück Vieh im Stall die Palmtatzen, einige Apfelschnitten und Nußkerne mit frommem Spruch. Die Obstbäume auf dem Anger werden gerüttelt, zu jedem wird gesprochen: "Baum wach auf und trag - heut ist der heilige Tag!"

Das Schröckläuten mahnt zum Kirchgang, alle machen sich auf den Weg zur Christmette. Mit brennenden Kienspänen und bunten Laternen streben sie von den verschneiten Hängen der Dorfkirche zu. Durch die offene Pforte flutet der Schein der zahlreichen brenneden Kerzen. Wie ein Ruf aus der anderen Welt ertönt die Orgel. Stille Nacht, heilige Nacht!

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