Eine Lederschnittarbeit 1896

an verarbeitet meistens Rinds- und Kalbsleder von Millimeterdicke.

Die erforderlichen Werkzeuge sind: ein Kopierstift, ein scharfes Radiermesserchen und ein an beiden Enden flach zugespitzes, beinernes Stäbchen.

Beim Auftragen der Zeichnung befeuchtet man das Leder mit einem Pinsel oder Schwamm, befestigt das Pauspapier mit Reißnägeln auf der glatten Seite des Leders und fährt dem Muster mit dem Kopierstift nach. Nimmt man das Papier ab, so sind die Linien auf dem Leder ganz deutlich eingedrückt.

Nachdem man die Linien mit dem Messerchen ziemlich stark nachgezogen hat, wird das Leder auf derselben glatten Seite nochmals befeuchtet. Alsdann drückt man die Schnittkante auf der Seite mit dem Stäbchen gegen den Grund.
Ist das Leder wieder trocken, so hebt diese vertiefte Schnittkante als dunkler Umriß die Figuren deutlich hervor. Ehe jedoch das Leder wieder trocken ist, wird die leere Fläche mit dem Kopierstift punktiert. Man kann auch einen dicken Nagel unten glatt abschleifen und kreuzweise feilen, sodaß der Nagel mit mit einem leichten Hammer auf das Leder geschlagen, ein Kreuzchen auf letzteres drückt.

Hierauf werden diejenigen Figuren, welche man besonders hervorheben will, nochmals auf beiden Seiten leicht angenetzt und mit dem Stäbchen oder dem Fingernagel von der unteren Seite aus vorgedrückt, wobei es vieler Vorsicht und einiger Übung bedarf, damit das Muster nicht verzogen wird.

Diese leichte und wirkungsvolle Arbeit kann zu sehr vielen Gegenständen angewendet werden, auch namentlich zu Geschenken für Herren. Besonders passend erscheint sie in ihrer Bearbeitung als Buchdecken, Besuchskarten, Brief- Toilette- und anderen Täschchen. Ebenso lassen sich Sesselüberzüge sehr schön damit verzieren. Auch Lampenteller, Untersetzer für Vasen und dergleichen, Tabaksbeutel, Zigarren- und Scherenetuis, Schreibunterlagen und Handschuhe mit Stulpen ( letztere von Kalbsleder).

Für die nötigen Muster kann man die in den größeren Modezeitungen veröffentlichten Stickvorlagen gut gebrauchen. Natürlich müssen dabei nur solche Zeichnungen gewählt werden, welche wenig schmale Teile haben.

Mit Aquarellfarben, welche mit Retouchirfirniß gemischt sind, kann man einzelne Figuren übermalen. Die Arbeit gleicht dann den prachtvollen Buchdecken, welche aus der Renaissancezeit noch gut erhalten in den Museen ausgestellt sind.


anna zu Constanz, 1896

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