Über russische Überläufer 1916


ie Menge russischer Überläufer, von denen die Berichte immer wieder erzählen, erscheint von unserem Standpunkt befremdlich. Allein es gibt eben von alters her tatsächlich keine Armee in der Welt, bei der so viele Überläufer vorkommen wie bei der russischen.
Bereits Peter der Große mußte wegen der überhandnehmenden Ausreißer auf Fahnenflucht die Todesstrafe setzen. Trotzdem nahm das Übel noch zu, so daß sich der Zar entschließen mußte, einem Teil der wiedereingebrachten Soldaten das Leben zu schenken und sie, um die Wehrkraft des Landes nicht allzusehr zu schwächen, wieder in das Heer einzustellen. Er erließ einen Ukas(= ähnl. Dekret), gemäß dem jeder dritte wieder eingefangene Überläufer aufgeknüpft werden, während die zwei anderen Knutenhiebe erhalten sollten. Doch das hatte nur geringen Erfolg und schließlich begnügte sich Peter damit nur jeden 10ten hängen zu lassesn.
Später ging man nach dem Muster westeuropäischer Mächte dazu über, Leute, die wegen Diebstahls vorbestraft waren, um das "moralische Niveau" der Armee zu heben, von der Einstellung zum Militärdienst auszuschließen.
Diese an sich gutgemeinte Absicht hatte in Rußland überraschende Folgen. Die Diebstähle häuften sich in auffälliger Weise und mit ihnen auch die Aburteilung der Verbrecher, und zwar in einem Umfang, daß die Heeresverwaltung schleunigst ihre Bestimmungen ändern mußte, um diese neuartige Form der Fahnenflucht nicht überhand nehmen zu lassen. Man mußte also die schlauen Diebe wieder der "Ehre" teilhaftig werden lassen um im Heere des Zaren dienen zu dürfen. Und siehe da - sogleich ging die Zahl der Diebstähle wieder auf den vorherigen Stand zurück.
A.M.

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